Leben wir noch im Mittelalter?

Bevor ich 2004 ernsthaft krank wurde, hatte ich geplant eine Seite "Leben wir noch im Mittelalter?" ins Netz zu stellen, mit kleinen Anmerkungen zu Nebensächlichkeiten, die im Alltag aufstoßen. Ich hole dies jetzt hier nach. Je nach zur Verfügung stehender Zeit wird dies weiter ausgebaut.

Wobei diese rhetorische Frage natürlich nur als Metapher zu sehen ist. Erstens ist das Mittelalter selbstverständlich ein feststehender Begriff und zweitens war das Mittelalter bei weitem nicht so dunkel, wie heute oft vermutet. So waren die im 12. und 13. Jahrhundert von St.Denis aus sich immer weiter ausbreitenden gotischen Kathedralen absolutes High-Tech was die Steinbearbeitung und Architektur anbetrifft. Diese schier unglaublich grazilen und fragilen Strukturen stellten eine Herausforderung an die Schwerkraft dar und wurden immer weiter getrieben bis schließlich in Beauvais durch Einsturz den aufwärts strebenden Gebilden ein Limit gesetzt wurde mit 48,50 Metern, nach Amiens mit 42,30 Metern, was schon erhebliche statische Probleme (bis heute übrigens) mit sich brachte. Die extrem Licht durchflutete Kathedrale in Beauvais wurde daher nie vollendet.

 

 

 

Zentrale Menschheitsfragen

Es ist geradezu erschreckend, wie wenig die Menschheit weiß, ihre zentralen Fragen zu formulieren und auch zu beantworten. So hört man in dem grandiosen Stimmengewirr, das zur Tsunami- und Kernenergie-Katastrophe in Japan ausgebrochen ist, immer noch niemand die zentrale Forderung stellen, die eigentlich seit Jahrzehnten überfällig ist: die Entwicklung einer Speichertechnik für elektrische Energie, die nicht die Merkmale der ersten Schritte der Menschheit auf dem Technikgebiet zum Kennzeichen hat. Heutige Akkumulatoren  - deren Erfindung in den späten Jahren des 19. Jahrhunderts datiert - sind für großtechnische Anwendungen geradezu lächerlich ineffizient (Lebensdauer etc..) und in jeder Hinsicht antiquiert. Andere heute genutzte großtechnische Energiespeicher (z.B. Pumpspeicherwerke) haben eine dermaßen miserable Energiebilanz, dass darunter jegliche alternative Energieform leiden muss. Der zaghafte Versuch der Industrie in den Sechzigern und Siebzigern des letzten Jahrhunderts Alternativen zu schaffen, resultierte in den kaum effizienteren NiMH und Lithium Akku Varianten. Dabei wäre eine moderne Akkumulatorengeneration (siehe z.B. Ultra-Capacitors ) für alle Bereiche unserer modernen Gesellschaft zentral, von der Autoindustrie angefangen über großtechnisch nutzbare Energiespeicher bis zur kleinteiligen Energiespeicherung, die in jedem Haushalt unzählige Anwendungen hätte, aber auch kleine und kleinste naturverträgliche Energiegewinnung ermöglichen würde mit Klein-Windrädern, Klein-Wasserkraftnutzungen, Klein-Solaranlagen. Und diese Forschung kann man offensichtlich nicht der Industrie überlassen, siehe Ergebnisse der Industrieforschung im letzten Jahrhundert. Wären die Milliarden, die in die Kernforschung investiert wurden, auch nur zu einem Bruchteil in eine öffentlich geförderte Speichertechnologieforschung geflossen, würden wir heute vollkommen anders dastehen. Konservativen Politikern mit ihrer Industrie-Hörigkeit sei hiermit ins Stammbuch geschrieben, dass man die Industrie oft zur 'ihrem Glück' zwingen muss, siehe die vollkommen unerwarteten Exporterfolge der bundesrepublikanischen 'grünen Industrie'. Und hiermit kann man konservativen Politikern auch schlagend nachweisen, dass es ihnen gerade eben nicht wie oft behauptet um den Mittelstand geht - die grüne Industrie ist im wesentlichen eine Mittelstandsindustrie - sondern dass sie nur ein ausführendes Organ der Großindustrie darstellt.

 

 

 

Naturwissenschaften und Quellen

Nachdem die Naturwissenschaft über Jahrhunderte fremde Quellen systematisch verschwiegen hat, neue Erkenntnisse nur gewürdigt hat, wenn diese aus "genialen" Ideen stammten, ist heute der genau umgekehrte kein Stück weniger verrückte Zwang in den Naturwissenschaften eingekehrt: Eine Arbeit ist nichts mehr wert, die nicht mindestens einen 100 Verweise aufzählenden wissenschaftlichen Apparat aufweist. Ziemlich ähnlich der menschlichen Neigung in jeder Generation genau das Gegenteil der vorhergehenden machen zu wollen, was zu einem ewigen Kreislauf der Fehler führt.

Aber auch die Ansicht, dass eine möglichst große Anzahl zitierender Seiten etwas über eine Arbeit aussagt, ist genauso irrig. Neue Sichtweisen zeichnen sich eben gerade dadurch aus, dass sie von allen anderen nicht gedacht werden. Ein einfacher Blick in die Wissenschaftsgeschichte würde dies klarstellen.

 

 

 

Seti (dies war von 2000-2006 auf verschiedenen meiner Sites (z.B. icmasterdata.com) zu lesen und wirft bis heute Wellen im Netz)

A simple calculation: earth is by now by all we know 5 billion years old - roughly spoken. Mankind is by all we know 4 million years - approximately - on this earth, mankind appeared in the so said 'last second' of earths history. Now in this last second mankind learned just 100 years ago how to send out radio waves. Today - only 100 hundred years later - we are already converting from analog radio waves to digital transmission. Already today there are new technologies as Dsl which allow a much better use of the bandwith and soon we will learn how to use this medium even better, by using the bandwidth even better etc.... All of these transmission techniques resemble much more stochastic noise than intelligent content if you don't know how they are coded. No computer in the world can distinguish this from noise if there is no knowledge of the actual coding. Not to speak of ternary coding, coding techniques we even don't know about.... And do you really believe that those other beings are that silly as we are to electro-pollute their environment?

 

 

 

Kopernikus

Kopernikus wusste, warum  er sein Hauptwerk zum heliozentrischen Weltbild "De Revolutionibus Orbium Coelestium" erst unmittelbar vor seinem Tode im Jahre 1543  veröffentlichte. Auch in dieser Hinsicht hat sich in den letzten fast 500 Jahren (467 um genau zu sein) nicht viel geändert. Erst durch Kopernikus und Keppler wurde das statische mittelalterliche Weltbild, in dem magische Kräfte die Planeten in steter Bewegung hielten, zu dem dynamischen System, das dann von Newton schließlich vervollständigt wurde.

 

 

 

Atomenergie

Jeder, der eins und eins zusammenzählen kann, wusste von Anfang an, dass Atomenergie die teuerste Energieform ist, die die Menschheit jemals genutzt hat*. Sie entspricht jedoch optimal unserer Zeit: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Das letztere wurde dabei in der modernen Gesellschaft immer weiter ausgedehnt, man ist ja lernfähig. Waren es zuerst nur die Zeitgenossen, die die Rechnung zahlen mussten, so waren die verschmutzten Flüsse und Erdverunreinigungen in der zweiten Welle schon Aufgabe für mehrere Generationen. Die Atomenergie schließlich lässt tausende kommende Generationen die Zeche für den Reichtum einiger weniger heute zahlen.

*Unsere Kanzlerin nicht. Obwohl sie Physikerin ist, die Zusammenhänge also verstehen sollte. Sollte uns dies zu denken geben?

 

 

Altruismus

Hat die Natur, das Schicksal oder Gott (man suche sich das passende aus) die Menschheit vier Millionen Jahre mit Naturkatastrophen und Schicksalsschlägen malträtiert, bis endlich der Letzte begriffen hatte, dass nur Altruismus weiterführt und die Menschheit schließlich glaubte, in den verschiedenen Religionen dies für alle Zeiten festgeschrieben zu haben, so genügten einige dümmliche Egoisten in den oberitalienischen Städten des 13.ten Jahrhunderts, um dies alles wieder umzuwerfen. Ihre Interpretation des Altruismus der anderen als Dummheit, die es gilt auszunutzen, setzte sich seitdem immer mehr durch, bis sie heute allgemein anerkannte Doktrin unserer Gesellschaft wurde.

 

 

 

Intelligenz

Man fragt sich, ob Menschen intelligent sind. Ist es intelligent, wenn Verhaltensforscher Spiegel benutzen, um Intelligenzunterschiede zwischen Tieren und Menschen festzustellen? Ein menschliches Kleinkind hat bis zu seinem ersten Geburtstag schon tausende Male einen Spiegel gesehen und in einen Spiegel gesehen, konnte sich also schon tausende Male fragen, ob das Abgebildete es selbst sein soll. In Affenkäfigen pflegen normalerweise keine Spiegel zu hängen, Delphine haben in ihrer natürlichen Umgebung eigentlich auch kaum Spiegel.

 

 

 

 

Experten

Die Experten-Hörigkeit der modernen Mediengesellschaft hat angesichts der Tsunami- und Kernenergie-Katastrophe in Japan einen gehörigen Dämpfer erfahren, jedenfalls sollte sie dies angesichts der vollkommen falschen Prognosen und Weissagungen der 'Experten'. Ganz abgesehen von der 'Unvorhersehbarkeit' sowohl der Stärke des Tsunamis als auch 'Unvorhersehbarkeit' und sogar 'Ausgeschlossenheit' der nun eingetretenen Ereignisse in gleich 4 Kernreaktoren, ist immer wieder die Chuzpe zu bewundern, mit der diese Experten am folgenden Tag ihre gestern noch geäußerte 'Ausgeschlossenheit' heute wortreich revidieren. Wo andere Menschen mit hochrotem Kopf vor Scham in der Erde versinken würden, ist diesen 'Experten' offensichtlich eine Scham ob ihrer falschen 'Expertisen' vollkommen fremd. Da die Menschheit so schnell vergisst, sei hier noch einmal daran erinnert, dass von sämtlichen 'Experten' das Durchbrennen des Stahlcontainments vollkommen ausgeschlossen worden war, was dann prompt am 15.März 2011 geschah. Ähnlich wie Herr Guttenberg immer das gerade Herausgekommene zugab, bestätigen diese Experten immer gerade das in Realität geschehene und damit für jedermann vollkommen offensichtliche - und noch gestern vollkommen ausgeschlossene.  Und ähnlich wie Herr Blüm mit seiner 'sicheren Rente' heute als Clown in Fernsehshows auftritt, könnte man dies vielleicht auch diesen 'Experten' zukünftig empfehlen.

 

 

 

 

 

Ursprünge der Mathematik

Es ist geradezu kindlich naiv mit der heutigen Wissenschaftsgeschichte anzunehmen, dass die Griechen und hier natürlich insbesondere Euklid eine fertige Mathematik aus dem nichts und aus sich heraus produziert hätten. Aber die Griechen waren mit Sicherheit schon gute Wissenschaftler im heutigen Sinne, indem sie das mathematische Wissen und die Axiomatik der Inder, Babylonier und Ägypter zusammengefasst und weiterentwickelt haben. Es würde mich im übrigen nicht sonderlich wundern, wenn die Archäologie irgendwann herausfindet, dass das meiste davon in Indien entstanden ist.

 

 

 

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